Das Wirtshaus Zum Starnbräu in Bad Tölz wurde vom AfD-Kreisverband Oberbayern Süd über lange Zeit und sehr gerne als Veranstaltungslokal für seine Mitgliederstammtische genutzt. Etwa alle zwei Monate traf man sich hier zur politischen Diskussion und war bemüht, dabei auch anständig Umsatz für den Gastwirt zu machen. Schließlich war man sehr dankbar, dass sich das Starnbräu nicht dem üblichen Meinungsdiktat unterwirft und dass es zu den leider sehr wenigen Häusern gehört, die der AfD noch Gastfreundschaft gewähren.

Für die Wahl- und Vortragsveranstaltungen zur Bundestagswahl 2017 war es deshalb naheliegend, auch beim Starnbräu nach einem Veranstaltungsraum anzufragen. Erfreulicherweise wurde man sich schnell einig und so konnte am Abend des 28.09.17 die Veranstaltung mit dem Gastredner Dr. Nicolaus Fest von der AfD Berlin im Starnbräu stattfinden – Thema: „Der Islam – eine totalitäre Bewegung?“. Mit über 75 Gästen war der Abend sowohl für die AfD als auch für das Starnbräu ein großer Erfolg. Die Veranstaltung verlief absolut friedlich, so dass sich Wirtin und AfD am Ende des Abends freundlich und zufrieden bis zum nächsten Mal verabschiedeten.

Das Starnbräu und seine AfD-Veranstaltung in den Medien

Die am folgenden Tag erschienen Veranstaltungsberichte von Münchner Merkur und Süddeutscher Zeitung (siehe unten) waren von der üblichen Anti-AfD-Polemik geprägt, sie mussten letztlich aber auch die Friedlichkeit und den Erfolg der Veranstaltung eingestehen.

Doch dann kam, was kommen musste. Schon einen Tag nach den Medienberichten distanzierte sich die Geschäftsführung des Starnbräus von der AfD und insbesondere von deren Islam-Kritik. Man war zudem krampfhaft bemüht, die Buchung des Veranstaltungsraumes als Überrumpelung seitens der AfD darzustellen. Man hätte gar nicht gewusst, dass die AfD dahintersteckt, sonst hätte man dem nie zugestimmt. Das wiederum ist eine glatte Lüge, wie die unten dokumentierte E-Mail mit der Buchungsanfrage belegt.

Passiert war letztlich, dass Druck von oben auf Geschäftsführung und Wirtin ausgeübt wurde und dass man nun versucht, einen vermeintlichen Imageschaden möglichst klein zu halten. Auch hierzu wurde in der Süddeutschen Zeitung berichtet (siehe unten).

Wenn zwei das gleiche sagen, ist es noch lange nicht dasselbe

Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, berichtet der Münchner Merkur am selben Tag von einer Veranstaltung mit Edmund Stoiber im Tegernseer Bräustüberl (siehe unten), wobei der CSU-Politiker mit den Worten zitiert wird: „Der Islam gehört für mich nicht zu Deutschland“. Nach diesem Ausspruch sollen laut Merkur „schallender Applaus und sogar Jubelrufe die Hallen des Bräustüberls erfüllt haben“. Wo bleiben hier die Rassismusvorwürfe, wie sie nach der oben genannten AfD-Veranstaltung im Starnbräu von den Medien erhoben wurden? Es kommt offensichtlich doch nicht darauf an, was man sagt, sondern wer es sagt.

Für die AfD bedeutet dies, wieder einen toleranten Gastwirt weniger zu haben, um ihre demokratischen Grundrechte als politische Partei ausüben zu können. Da bleibt eigentlich nur noch ein Gedanke: „armes Deutschland“.

P.S.: Lügen ist doch OK, solange es der AfD schadet

Im Nachgang bringt auch der Merkur nochmals einen Artikel, um das angeblich unlautere Vorgehen der AfD bei der Saalbuchung zu dokumentieren (siehe weiter unten) – dies ohne auch nur den Versuch zu machen, die AfD zu diesem Thema anzuhören. Tatsächlich wird damit nur der Lüge der Starnbräu-Geschäftsführung eine Plattform geboten. Wie die unten abgebildete E-Mail beweist, hatte die AfD ihre Identität schon bei ihrer ersten Anfrage am 3.08.17 offengelegt. Eine Lüge zum Schaden der AfD scheint so ähnlich wie eine Notlüge erlaubt zu sein. Wie sonst wäre deren inflationäres Auftreten in Zeiten wie diesen zu erklären?

AfD trifft sich in Tölz: „Den Islam als Feind benennen und vernichten“

AfD-Anhänger sprechen im Tölzer „Starnbräu“ über „das Ende der europäischen Zivilisation“ und warum der Islam es herbeiführen wird. Aus dem Publikum kommt die ein oder andere Verschwörungstheorie. Ein Stimmungsbild. Bad Tölz – Die Tölzer Marktstraße am Montagabend, kurz vor 19 Uhr: Dass die Alternative für Deutschland (AfD) in der Stadt ist, kann man ahnen – selbst wenn man nichts von der Veranstaltung mit dem Titel „Der Islam – eine totalitäre Bewegung?“

„Kulturfremde Leute“

Bei der AfD verteufelt Nicolaus Fest den Islam. Sechzig Zuhörer teilen seine Meinung, Deutschland drohe der Untergang Tausende hätten das hören müssen, raunt einer beim Hinausgehen seinem Begleiter zu. Eine ältere Dame, gepflegte, modebewusste Erscheinung, mokiert sich, die Leute wollten doch gar nichts wissen.

Anfrage-E-Mail an das Starnbräu

Schwerer Image-Schaden

Nach der AfD-Veranstaltung im Starnbräu kommen Wirtin und Geschäftsführer in Erklärungsnot. Wer den Begriff „Wahlkampf“ allzu wörtlich nimmt, mag einen veritablen Waffengang erwarten, mindestens aber Handgreiflichkeiten. In Wirklichkeit beschränkt sich der Kampf der Parteien um Stimmen aber doch meist auf braves Plakatekleben und einen verbalen Schlagabtausch.

Stoiber: „Der Islam gehört für mich nicht zu Deutschland“

Edmund Stoiber zieht offenbar noch immer. Obwohl der 75-Jährige kein offizielles Amt mehr inne hat, hat der ehemalige bayrische Ministerpräsident rund 500 Menschen ins Bräustüberl gelockt. – Das Tegernseer Bräustüberl ist bis auf den letzten Platz besetzt. Die Luft knistert förmlich.

AfD-Veranstaltung in Tölzer Wirtshaus: „Keinerlei Verbundenheit zu dieser Partei“

Nach dem Vortrag zum Thema „Der Islam – eine totalitäre Bewegung?“, zu dem die AfD vergangenen Montag eingeladen hatte (wir berichteten), gibt es Kritik am „Starnbräu“, in dessen Räumlichkeiten die Veranstaltung stattfand. Der Geschäftsführer des Wirtshauses distanziert sich von der Partei.